Die Briefe

Juni 1935

Rosemarie an Georg

Lieber Georg, als ich heute nachhause fuhr, fühlte ich eine solche Gewißheit, daß Du daheim sein würdest! Nachher war es wieder nichts, wie 100 Mal vorher. Manchmal denke ich, ich kann einfach nicht mehr weiter. Da möchte ich mich hinlegen und keine Hand mehr rühren zu irgendeiner Arbeit. Dann aber zanke ich mich aus, weil … Weiterlesen →

30. Mai 1935

Brief von Georg

Mein armes, krankes Mädchen! Du brauchst dir keine Sorgen wegen meiner Ernährung zu machen. Das Essen ist hier durchaus ausreichend. Obst usw. kann ich mir immer in der Stadt kaufen lassen. Heute genieße ich den Feiertag und denke an dich, die da zu Hause krank liegt. Hoffentlich ist es dir inzwischen besser geworden. Ich bin … Weiterlesen →

29. Mai 1935

Brief von Rosemarie

Lieber, guter Junge, jetzt bin ich endlich wieder in meinem „Zuhause“, nachdem mich die Mutter vier Tage bei sich gepflegt hat. Da merke ich erst so recht, daß ich nirgends anders leben mag als in den Räumen u. bei den Dingen , die Dir u. mir gehören. Alle die vielen hellen, frohen Tage wohnen da … Weiterlesen →

24. Mai 1935

Brief von Rosemarie

Mein lieber Georg, ich liege im Bett, um einen geradezu fürchterlichen Schnupfen auszukurieren. Es geht mir schon viel besser, morgen werde ich aufstehen. Du darfst Dich also nicht sorgen. Ich werde auch sehr gut versorgt. Trotz ihrer 71 Jahre kommt die Mutter jeden Tag herüber u. pusselt so klein und grau und rührend bei mir … Weiterlesen →

23. Mai 1935

Brief von Georg

Meine liebe kleine Verschwenderin, Geld und das schöne Paket erhalten. Ich bin dir sehr dankbar, daß Du alles so schnell besorgt hast. Zeitung brauche ich nicht. Die Wäsche wird hier gewaschen. Mit dem Gelde komme ich mindestens bis zum 15. Juni aus. Ich schreibe dir, wenn ich welches brauche. Ich versuche auch aus meiner jetzigen … Weiterlesen →

18. Mai 1935

Brief von Rosemarie

Lieber Georg, ich war gerade dabei, an Dich zu „orakeln“, (wie Vater meine Briefschreiberei nannte), da kam Dein ersehnter Brief, (vom 15.). Es war ¾ 6, als ich ihn bekam, ich hoffte aber doch noch, das Päckchen für Dich bis um 6 fertig zu kriegen. Leider ist es mir nicht gelungen, trotzdem ich ganz wild … Weiterlesen →

15. Mai 1935

Brief von Rosemarie

Lieber Georg, heute ist der gute Mittwoch, aber ein Brief von dir ist nicht gekommen. Na, Du hast sicher auch manchmal auf Briefe von mir warten müssen. Ich war gestern bei Melzer, der mir wenigstens etwas sagen konnte, was mich freute: daß Du mit großer Selbstbeherrschung Deine schwierige Lage erträgst. Ich wußte das zwar genau … Weiterlesen →

15. Mai 1935

Brief von Georg

Konzentrationslager Sachsenburg Sachsenburg, den 15. 5.35 Wünsche: Nagelschere, Rasierapparat mit Klingen (ohne Etui), Rasierpinsel u. –seife (aus dem Waschtisch!) Zahnputzglas. 2 Paar Unterhosen. Keine Hemden! Besuche sind nicht gestattet! Meine liebe Kleine, nunmehr bist du im Bilde, wo ich bin. Ich arbeite an der frischen Luft und in schöner Umgebung, wie du es mir immer … Weiterlesen →

12. Mai 1935

Karte von Rosemarie

Lieber Georg, nun habe ich alle Tage vergeblich auf eine Nachricht von Dir gewartet. Sicher herrscht an Deinem neuen Aufenthaltsort eine andere Schreiberlaubnis. Oder bist Du nicht gesund? Du wolltest mir doch schreiben, was ich Dir schicken soll. Nun, denke nicht, daß ich nicht genau weiß, daß Du mir schreibst, wenn Du kannst. Du weißt … Weiterlesen →

10. Mai 1935

Brief von Rosemarie

Lieber Georg, heute habe ich Dein Bücherpaket erhalten u. weiß nun wieder, wohin ich meine Gedanken schicken soll. D. h. ehrlich gestanden weiß ich nicht, wo Frankenberg ist. Aber es klingt nach frischer Luft, der Du hoffentlich teilhaftig wirst. Nach dem militärisch klingenden Absender scheint ja Aussicht darauf zu bestehen. Jetzt hast Du vielleicht auch … Weiterlesen →